Mahnwesen

Verzugszinsen berechnen: Formel, aktueller Satz und Mahnung-Muster

Verzugszinsen betragen 9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, wenn an dem Geschäft kein Verbraucher beteiligt ist, und 5 Prozentpunkte, wenn doch. Mit dem Basiszinssatz von 1,52 % (gültig seit 1. Juli 2026) sind das 10,52 % bzw. 6,52 % pro Jahr. In Österreich gelten bei Unternehmergeschäften 10,73 %.

Der aktuelle Verzugszinssatz

Das Gesetz nennt keinen festen Prozentsatz, sondern einen Aufschlag auf den Basiszinssatz nach § 247 BGB. Den veröffentlicht die Deutsche Bundesbank und passt ihn zweimal jährlich an — zum 1. Januar und zum 1. Juli. Wer einen Zinssatz aus einem älteren Blogbeitrag übernimmt, rechnet deshalb fast immer falsch.

FallRechtsgrundlageZinssatz p. a.
Deutschland, Verbraucher beteiligt§ 288 Abs. 1 BGB (5 %-Punkte)6,52 %
Deutschland, reines B2B§ 288 Abs. 2 BGB (9 %-Punkte)10,52 %
Österreich, Unternehmergeschäft§ 456 UGB (9,2 %-Punkte)10,73 %
Österreich, sonst§ 1000 ABGB4,00 %

Die beiden Basiszinssätze sind übrigens nicht identisch: Deutschland liegt bei 1,52 %, Österreich bei 1,53 % (jeweils Stand 1. Juli 2026). Sie werden unterschiedlich ermittelt — für eine österreichische Forderung also nie den deutschen Satz einsetzen. Quellen: Deutsche Bundesbank und WKO.

Die Formel — mit Rechenbeispiel

Verzugszinsen sind Jahreszinsen. Für einen kürzeren Zeitraum wird taggenau umgerechnet:

Offener Betrag × Zinssatz × Verzugstage ÷ 365

Beispiel: Eine B2B-Rechnung über 2.400 € ist seit 30 Tagen überfällig. Bei 10,52 % ergibt das 2.400 € × 0,105 × 30 ÷ 365 = 20,75 Verzugszinsen. Dazu kommt die Pauschale von 40 €.

Gezählt wird ab dem Tag nach Verzugseintritt bis einschließlich des Zahlungstages. Bei einem Zeitraum über den Jahreswechsel oder über den 1. Juli hinaus musst du zweiteilen: Für jeden Abschnitt gilt der Basiszinssatz, der zu Beginn des jeweiligen Halbjahres galt.

Ab wann du Zinsen verlangen darfst

Verzugszinsen entstehen nicht ab Rechnungsdatum, sondern ab Verzug. Drei Wege führen dorthin:

  1. Du mahnst nach Fälligkeit. Verzug tritt mit Zugang der Mahnung ein — eine einzige genügt, die verbreitete „drei Mahnungen"-Regel gibt es im Gesetz nicht.
  2. Ihr habt ein festes Zahlungsdatum vereinbart („zahlbar bis 15.09."). Dann tritt Verzug ohne Mahnung mit Ablauf des Datums ein.
  3. 30 Tage nach Zugang der Rechnung tritt Verzug automatisch ein (§ 286 Abs. 3 BGB). Gegenüber Verbrauchern nur, wenn du in der Rechnung ausdrücklich darauf hingewiesen hast.

Muster zum Kopieren

Stufe 1 ist freundlich und nennt noch keine Zinsen — die meisten Zahlungen kommen hier bereits. Stufe 2 beziffert Zinsen und Pauschale konkret. Ersetze die Platzhalter in eckigen Klammern.

Zahlungserinnerung (Stufe 1)
Betreff: Zahlungserinnerung zur Rechnung [Rechnungsnummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Rechnung [Rechnungsnummer] vom [Rechnungsdatum] über 2.400 € war am [Fälligkeitsdatum] zur Zahlung fällig. Ein Zahlungseingang ist bislang nicht zu verzeichnen.

Wir bitten Sie, den offenen Betrag bis zum [neues Datum, i. d. R. 7–14 Tage] auf folgendes Konto zu überweisen:

[Kontoinhaber]
IBAN: [IBAN]
BIC: [BIC]
Verwendungszweck: [Rechnungsnummer]

Sollte sich Ihre Zahlung mit diesem Schreiben überschnitten haben, betrachten Sie es bitte als gegenstandslos.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]
Mahnung mit Verzugszinsen (Stufe 2)
Betreff: Mahnung zur Rechnung [Rechnungsnummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

trotz unserer Zahlungserinnerung vom [Datum] ist die Rechnung [Rechnungsnummer] vom [Rechnungsdatum] über 2.400 € weiterhin offen. Sie befinden sich seit dem [Datum des Verzugseintritts] in Zahlungsverzug.

Wir stellen Ihnen daher in Rechnung:

  Hauptforderung:              2.400 €
  Verzugszinsen (10,52 % p. a.,
  30 Tage):                     20,75 €
  Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB:  40 €
  ------------------------------------------------
  Gesamtbetrag:                2.460,75 €

Wir bitten um Überweisung des Gesamtbetrags bis zum [Datum] auf das unten genannte Konto.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Für Kunden im Ausland gibt es die gleichen Stufen auf Englisch im Beitrag Mahnung auf Englisch. Den vollständigen Ablauf vom ersten Kontakt bis zum Mahnbescheid beschreibt der Ratgeber Mahnung schreiben.

Drei Fehler, die Geld kosten

  1. Den falschen Aufschlag nehmen. Die 9 Prozentpunkte gelten nur, wenn auf KEINER Seite ein Verbraucher steht. Sobald ein Privatkunde beteiligt ist, sind es 5 — wer zu viel fordert, muss zurückrudern.
  2. Einen veralteten Basiszinssatz verwenden. Er ändert sich am 1. Januar und am 1. Juli; ein Beitrag von vor einem Jahr nennt garantiert einen anderen Wert.
  3. Die 40-Euro-Pauschale gegenüber Verbrauchern ansetzen. Sie gilt ausschließlich im Geschäftsverkehr.

Stand: 28. August 2026. Basiszinssätze geprüft am 28. August 2026 bei Deutsche Bundesbank und WKO. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Verzugszinsen aktuell?
Der Basiszinssatz nach § 247 BGB liegt seit 1. Juli 2026 bei 1,52 %. Daraus ergeben sich 10,52 % pro Jahr, wenn an dem Geschäft kein Verbraucher beteiligt ist (§ 288 Abs. 2 BGB), und 6,52 %, wenn doch (§ 288 Abs. 1 BGB). In Österreich sind es bei Unternehmergeschäften 10,73 % (§ 456 UGB).
Wie berechne ich Verzugszinsen für einen Zeitraum?
Offener Betrag × Zinssatz × Verzugstage ÷ 365. Beispiel: 2.400 € bei 10,52 % und 30 Tagen Verzug ergeben 20,75 € Zinsen. Gerechnet wird ab dem Tag nach Eintritt des Verzugs bis zum Tag der Zahlung.
Ab wann darf ich Verzugszinsen verlangen?
Ab Eintritt des Verzugs. Der tritt ein, wenn du nach Fälligkeit mahnst — oder ohne Mahnung automatisch 30 Tage nach Zugang der Rechnung (§ 286 Abs. 3 BGB). Gegenüber Verbrauchern gilt die 30-Tage-Automatik nur, wenn du in der Rechnung ausdrücklich darauf hingewiesen hast. Ein vereinbartes festes Zahlungsdatum lässt den Verzug ebenfalls ohne Mahnung eintreten.
Was ist die 40-Euro-Pauschale?
Gerät ein Unternehmen in Zahlungsverzug, kannst du zusätzlich zu den Zinsen eine Pauschale von 40 € verlangen (§ 288 Abs. 5 BGB). Sie gilt nur im Geschäftsverkehr — gegenüber Verbrauchern nicht — und wird auf später geltend gemachte Rechtsverfolgungskosten angerechnet. In Österreich gibt es eine gleich hohe Pauschale für Betreibungskosten.
Zahlungserinnerung oder Mahnung — was ist der Unterschied?
Rechtlich nichts: Beides sind Mahnungen im Sinne des § 286 BGB, sobald sie nach Fälligkeit zur Zahlung auffordern. Der Unterschied ist reiner Ton. Es gibt auch keine Pflicht, dreimal zu mahnen — eine einzige Mahnung genügt, um den Verzug auszulösen.

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